Moos im Elm

Hängen, liegen, kräuseln. Moos

Gerade noch eben sah ich aus dem Zug etwas Grünes.

Es ist Winter. So war ich außer dem Häuschen über die Fülle der Koloraturen! Breites Spektrum von Grüntönen. Grün wie ein Lindenblatt, wie ein Panzer; grün wie ein Wald, gesehen von oben im Nahflug wie in all den Netflix-Serien. Das war Moos.

Es wuchs die Bahnböschung hinunter. Wo sie befestigt war mit Beton hatte sich das Moos ausgebreitet, Laubmoos war das, ebenso wie auf Erdboden. Dabei hängt es, und es liegt gleichzeitig. Moos in der Fläche hebt den Unterschied auf zwischen der Vertikalen und der Horizontalen. Ich dachte Weltall, nein, Galaxie. Manchmal stellt sich das Denken so ein, dass ich zwei Begriffe gleichzeitig denke. Oft ist es schwierig zu entscheiden, welcher Begriff kurz vor dem anderen da gewesen war. Es ist möglich, dass ich zuerst Galaxie gedacht hatte und dann Weltall.

Ins Auge springende gelbe Punkte, die Farbe lila, zwischen Chaos und Geometrie pendelnde Körperverteilungen im Raum, tiefschwarze Tiefe. So sahen die Bilder zum Weltall-Galaxie-Gedankenkomplex aus.

Dabei ist das Moos zwar alt, 500 Millionen Jahre, ansonsten aber weder selten, noch von hohem wirtschaftlichen Interessen. Vor Wochen kauften viele Menschen einen Adventskranz aus Islandmoos. Doch Islandmoos ist noch nicht einmal Moos.

Es ist also nicht von herausragender Interessantizität. Doch sein permanentes Kräuseln, seine Omnipräsenz, seine Weich- und Grünheit machen das Moos aus und ich beginne, nach Fakten zu recherchieren. Diese jetzt hier niederzuschreiben… Wem würde das nützen. Es gibt sie halt, diese Fakten, so wie es Fakten zum Weltall gibt, und sie könnten mir nutzen. Würde ich ein Patent im pharmazeutischen Bereich suchen oder würde ich ein Start-Up zur Weltall besiedeln wollen.

Mir bereitet es Vergnügen, diese Schönheit von Moos, Galaxie und Weltall wahrzunehmen und fortan in ihr zu leben. Wie gebettet darin zu leben.

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Veröffentlicht von

Christoph Braun

Christoph Braun, geboren 1970 in Friedrcihsthal/ Saar, lebt in Berlin. Er verantwortet das Musikprogramm des Festivals Theaterformen in Niedersachsen. Nach "Hacken – Leben auf dem Land in der digitalen Gegenwart" (2012, Klett-Cotta) folgt 2016 die Arbeit am Roman "Rafi, Franzi und Michi reisen durch die rosa Halde" – zweiter Teil einer Trilogie über die Zeitalter der Industrie und der Kommunikation. Einen Dramaturgie-Container zum Text bietet Brauns Blog textezurpopmusik.wordpress.com.

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