Teebs "Estara" Album-Cover
Cover: Teebs „Estara“

Ganz am Ende kommt der ultraschöne Moment.

Lars Horntveth hat sich schon eine Weile warmgelaufen mit seinem Saxofon. Hat die Glitzerflächen von „Wavxxes“ in den Bass-Tonlagen begleitet. Sich angehört, wie eine immer wieder kurz vorm Abschmieren sich bewahrende Akustikgitarre die Harmonien schlägt. Die simplen. Und wie sie damit weitermacht, und immer weiter und weiter, und dann rasselt es, und ein gefundener Sound, wie Schritte auf trockenen Blättern, kehrt ein ins Stück. Die Akustik bleibt hell und dabei kitschlos. Und der große Moment des Lars Horntveth, bereits eingeführt in die Welt der jazzy Beats durch seine Big Band Jaga Jazzist, kommt. Er bläst nicht, er murmelt, dies aber mit Zärtlichkeit und nahe, sehr, sehr nahe am Mikrofon.

Das Setzen dieses einen, tiefen Tones macht klar, was möglich wäre: Sound der Ergreifung, Klang der Überwältigung, Kunstfertigkeit und Können. Dieser eine Höhe-, der in diesem Fall ein Tiefpunkt ist, offenbart den Unterschied zu ähnlichen Aufnahmen: Teebs und seine Mitstreiter, zu dem auch die Autorenproduzenten Populous und Prefuse 73 zählen sowie der Stones Throw-Alleskönner Jonti, machen nicht viel anders mit ihren Beats, mit den Texturen. Sie machen das Entscheidende anders. Und das macht am Ende einen großen Unterschied.

Teebs ist Mtendere Mandowa, kommt aus dem Umfeld des frühen Online-Radios dublab.com und schafft mit diesem Album, das sein zweites ist, eindeutige Konturen. Schon Ardour vor vier Jahren kannte magische Tricks, HipHop ohne Rap, urbanes Chillen, veganes Grillen. Doch Estara wagt sich heraus aus Bekanntem, etwa aus der Ästhetik der Opium-Höhle, die Teebs’ bisheriges Schaffen zwar nicht komplett charakterisierte, jedoch jederzeit eine ästhetische Option bedeuten konnte. Estara klingt helllicht. „The Endless“ legt los mit einem Karussell beatloser Sounds, dessen Nostalgie und Kirmeshaftigkeit jedoch nur als ein gut übermaltes Tableau übrig geblieben ist. Der bereits erwähnte Jonti legt sich für „Holiday“ mit auf die Sommerwiese, singend, während es in „Shouss Lullaby“ Glöckchen sind, die zirpen: süß, aber eben nicht nur süß, sondern in berührender Weise bescheuert! „SOTM“ mit seinen hart abgegriffenen Saiten und den daraus entstehenden Weichheiten klingt wie eine Ode an die große Zeit der mechanischen Musikinstrumente.

Liebeswälder für tiefe Bässe, Spielplätze für Fruity Loops, es herrscht hier die Heiterkeit. Dann kommt auch noch Lars Horntveth.

(Rezension erschienen in Groove, 149, Juli/August 2014)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s